Alte Pathologie Wehnen

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Am 12.11.15 haben wir die Alte Pathologie in Wehnen besucht. Wenn man hört „Alte Pathologie“, weiß man nicht, was man darunter verstehen soll.

 

Die Pathologie in Wehnen  gehörte zu einer Heil- und Nervenanstalt der Karl-Jaspers-Klinik, die 1880 gegründet wurde. In die Anstalt  kamen alle, die eine Behinderung hatten oder Mensche, die heute eine Förderschule für geistige Entwicklung besucht hätten. In dieser Anstalt wurden all diese Leute während des nationalsozialistischen Regimes „sterilisiert", also unfruchtbar gemacht. Dies machte man, da man dachte, dass Behinderungen vererbbar sind. Also jeder Insasse. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden alle die vom Staat, die als unheilbar eingestuft wurden, umgebracht. Umgebracht wurden sie nicht direkt mit Waffen oder Gas, sondern man ließ sie einfach verhungern und versorgte sie nicht richtig. Die meisten behandelnden Ärzte waren in der NSDAP und sie wussten genau, was sie machen und warum. Sie wollten das Deutsche Reich erbgesund erhalten. Durchschnittlich gab es deshalb nur eine halbe Scheibe Schwarzbrot als Ration für jeden Insassen. Zur Pathologie gehörte eine Leichenhalle und etwas später wurde noch ein Sezierraum an die Leichenhalle gebaut. Im Sezierraum wurden die Leichen der Getöteten seziert, um zu erforschen, wo die Behinderung anatomisch bei den vermeintlich Kranken festzumachen ist. Es haben alle Angestellte mitgeholfen, die ,,hoffnungslosen" Fälle verhungern zu lassen. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die Pfleger/innen.

Mein erster Eindruck war, dass unser Ausstellungsbegleiter (Herr Gers) sehr organisiert war und alles mit seinen eigenen Worten erzählt hat und nicht so, wie es auf seinem Zettel stand. Außerdem finde ich es gut, dass der Gedenkverein für die Pathologie so viel Zeit in die Gedenkstätte gesteckt hat, wie z.B. die Bücher, die sie für die ihnen bekannten Verstorbene eingerichtet und dazu die Familien kontaktiert haben. Befremdlich fand ich das Gefühl, in einem Raum zu stehen, wo vor 70-80 Jahren gemordet wurde und die Leichen dort gelagert wurden. Ich fand den Ausflug sehr beeindruckend, da ich gar nicht wusste, dass es so was vor allem in unserer Gegend im Zweiten Weltkrieg gegeben hat.

Nico Schütte

 

Wir, die Klasse G9 und unsere Lehrerin Frau Schierholz, haben am 12.11.15 eine Gedenkstätte für Opfer der Euthanasie zur Zeit von Hitler in Wehnen bei Oldenburg besucht.

Es empfing uns Herr Gers sehr motiviert und freundlich. Er erklärte uns als Besucher dieses schwierige und verzwickte Thema und das sogar ehrenamtlich! Zuerst führte er uns in den Sezierraum, dort haben wir an drei Einzelschicksalen erfahren, wie es Menschen mit Behinderungen im angrenzenden Krankenhaus erging. Sie wurden meistens eingeliefert wegen vermeintlich psychischer Störungen. Wenn sie gestorben waren, sezierte man die Leichen um zu sehen, wo die Störungen anatomisch genau lagen. Oft waren die Menschen vorher zwangssterilisiert worden, da man damals gedacht hat, dass geistige Behinderungen weiter vererbbar sind. Die Patienten starben an mangelnder Nahrung bzw. gar keiner Nahrung, d.h. sie hungerten und starben dann an den Folgekrankheiten. Nahrung war damals nicht teuer, aber dennoch wurden die sozialen Hilfegelder für geistig Behinderte oder psychisch Kranke immer weiter abgesenkt. Damit konnte man für „wichtigere Dinge“ sparen. Man wollte Erbkrankheiten,  nicht Arbeitsfähige und damals so genannte ,,Asoziale" auslöschen. Nach den Ausführungen von Herrn Gers, dürften wir uns selbst umschauen und konnten über viele Einzelschicksale ein persönliches Buch lesen. Zudem haben wir uns im Gästebuch verewigt.

Die Ausstellung war sehr informativ und eindrücklich, vor allem hat mir gefallen, wie Herr Gers uns die Zusammenhänge erklärt hat und uns an Zahlen gezeigt hat, wie sich Todesfälle durch das politisch gewollte systematische Absenken der Hilfsgelder angestiegen sind.

 

Felix Müller