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Miriam

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Miriam

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„ Mit ungefähr 500 weiteren Juden saß ich in dieser Baracke.  Ich schaute mich um und blickte in angsterfüllte Gesichter.

Ein kleines Kind saß auf dem Schoß der Mutter und fragte sie, ob sie jetzt sterben müsse. Die Mutter sah das Kind an, lächelte und sagte, dass das bald alles vorbei sein würde. Ich wusste, was sie meinte. Wir würden hier nicht mehr rauskommen, auf jeden Fall nicht lebend. Ich hatte die SS-Männer reden hören: „Am Dienstag kommen neue, wir müssen wieder Platz machen.“

Ich wusste, was das bedeutet. Wir würden sterben, nicht alle, aber die meisten und ich werde unter ihnen sein. Ich hatte mich mit dem Gedanken unter diesen Umständen zu leben abgefunden, aber zu sterben? Hier und Heute? Unter solchen menschenunwürdigen Umständen? Nein, das wollte ich nicht.

Auf einmal hörte ich laute Stimmen: „Rauskommen und aufstellen!“ es war soweit. Ich sah die Mutter mit Ihrem Kind, jetzt erkannte ich, dass es ein Mädchen war. Die Mutter versuchte nicht zu weinen, doch das Kind, was keine Ahnung hatte, bemerkte die Tränen der Mutter. „Was ist denn Mama, wieso weinst du?“ fragte es, „ Mein Schatz, gleich ist alles vorbei, ich bin glücklich, glücklich darüber, dass wir nicht weiter hier in Hunger und in diesem Dreck leben müssen.“ „Wo kommen wir hin, Mama?“ fragte das kleine Mädchen wieder, als wir alle langsam aus der Baracke gingen. „Wir kommen an einen schönen Ort, wo uns keiner mehr festhält. Und jetzt sag nichts mehr und höre auf das, was ich dir sage.“

Jetzt standen wir alle vor der Baracke, die jüngeren Frauen weinten, die ältern schienen sich schon mit dem Gedanken abgefunden zu haben, vergast zu werden. Ich wollte mich nicht damit abfinden. Doch dann sah ich eine junge Frau aus der Menge rennen und  … Peng.. lag sie am Boden. Das Blut lief aus ihrem Kopf. Die Mutter, die mit ihrem Kind neben mir stand, hielt ihre Tochter die Ohren zu und presste sie fest an ihren Körper. Sie wollte nicht, dass ihre das sah, was jetzt passierte. Zwei weitere Frauen wurden aus der Reihe gerufen und mussten die Tote wegtragen und zum Massengrab bringen.

Jetzt begann eine der SS-Frauen zu reden: „ Ihr werden jetzt zum Duschraum gehen, dort werdet ihr euch ausziehen und in die Duschräume gehen.“ Duschen, ja, duschen! Ich musste mich  wohl doch damit abfinden, dass mein Leben gleich zu Ende sein würde. Wir gingen im Gänsemarsch hinter einander her.

Als wir im Duschhaus ankamen, zogen wir uns alle aus. Dann  gingen wir weiter in die Duschräume. Die Mutter mit dem Kind hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, es war bald vorbei. „Mein Schatz, schließ die Augen und versuche zu schlafen.“

Die Minuten vergingen wie Stunden bis ich dann endlich das Gas roch. Das Kind schlief auf dem Arm der Mutter. Ich setzte mich auf den Boden. Ich wurde immer schwächer und fing an zu husten, dann fielen mir die Augen zu und ich schlief eine, für immer, Genau wie das Kind auf dem Arm der Mutter.

   
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